Das Mittelbronzezeitliche Schachtgrab von Ägina
Imma Kilian-Dirlmeier. Das Mittelbronzezeitliche Schachtgrab von Ägina. Alt-Ägina, Band IV,3. Hans Walter und Elena Walter-Karydi (Hrsg.) 181 Seiten, 91 Abbildungen im Text, 26 Tafeln
Im Jahr 1982 hat H. Walter bei seinen Grabungen in der bronzezeitlichen Siedlung Kolonna auf Ägina ein ungestörtes bronzezeitliches Grab entdeckt. Der dort Bestattete, ein kräftiger Mann von ca. 30 Jahren, hatte reiche Beigaben - Golddiadem, Schwert, Dolch, Lanze, Pfeile, Eberzahnhelm, die in ihrer Zusammensetzung den Inventaren in den berühmten Schachtgräbern von Mykenai entsprechen. Die Tongefäße des Grabes, vor allem ein mattbemalter Kantharos und ein Brückenskyphos des minoischen Kamaresstils, sichern eine Datierung in der Zeit der Siedlung IX von Kolonna, d. h. in die mittlere Phase der mittleren Bronzezeit. Wie der Aufwand der Bestattung, Beigaben und Grabarchitektur, und die exponierte Lage des Grabes unmittelbar vor der Befestigungsmauer und nahe beim Haupttor zeigen, gehörte der Tote zur politischen und wirtschaftlichen Führungsschicht der Inselgemeinschaft. Entsprechende hervorgehobene Grabanlagen der mittleren Bronzezeit in Mittelgriechenland und auf der Peloponnes bieten in der archäologischen Überlieferung die ersten Anzeichen für das Etablieren elitärer Gruppen auf dem griechischen Festland bereits vor der Schachtgräberzeit.